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    <ns1:title language="de">EXKLUSIVE LEERZEICHEN - Teil 2 - Mein Kampf in gendergerechter und fairer Sprache</ns1:title>
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    <ns1:description language="de">Dissertation, 2022, CC BY-NC-ND 4.0 International
Betreuung: Robert Pfaller, Carl Hegemann

Abstract (Deutsch)

âDie einzige Entschuldigung Gottes ist, dass er nicht existiert.â(Stendhal) 
Um sich einem Ding, einem PhÃ¤nomen zu nÃ¤hern, es mÃ¶glichst treffend zu beschreiben, ist es oft hilfreich, zu definieren, was es - in diesem Fall das Leerzeichen - nicht ist: Im Unterschied zu Zeichen haben Leerzeichen ihre eigene Wirklichkeit im Griff. Sie sind leer. Leer im Sinne von âkenosâ (griech.), was den Unterschied zwischen Seiendem und Nicht-Seiendem ermÃ¶glicht. Leerzeichen werden gerne Ã¼bergangen und bei etwaigen Calls und Ausschreibungen in Wissenschaft und Kunst inklusiv gesehen. âAbstract so und so viele Zeichen inklusive Leerzeichen.â Kein Fisch im VogelkÃ¤fig.â¨Was zÃ¤hlt sind Zeichen: âBitte keine Leerzeichen in den Dateinamen.â Das Leerzeichen enthÃ¤lt keine Information, dient scheinbar nur als Platzhalter. â¨Leerzeichen schaffen und unterbrechen erwartete Ordnungen. Sie unterbrechen Texte, StraÃen, Sitzreihen, Bonbonnieren, Gedanken; sie reiÃen LÃ¶cher auf, veranlassen zum Luftholen, verschaffen Distanz, beruhigen und irritieren gleichzeitig. Leerzeichen als Fixpunkte verstanden, die nicht nur Ordnung zentrieren, sondern Ã¼berhaupt erst einen geordneten Kosmos im Chaos schaffen, tragen und verbinden Informationen, Soziales und Politisches. Beide, Leerzeichen und Zeichen, existieren, weil sie wechselseitig agieren: das Zeichen ragt in das Leerzeichen, das Leerzeichen nimmt dem Zeichen die Lufthoheit; Ã¤hnlich wie Carl Hegemann in seinem Essay âGlÃ¼cklich im UnglÃ¼ckâ beschreibt, ragt das GlÃ¼ck ins UnglÃ¼ck (und umgekehrt) hinein. Das Leerzeichen erinnert an das Nichts, an die Endlichkeit. In das Loch, in den Abgrund schauend, das eigene Ende vor Augen, regt es an, darÃ¼ber nachzudenken, âwofÃ¼r es sich zu leben lohntâ. (Robert Pfaller) 
Diese Arbeit soll keine theoretische Abhandlung Ã¼ber Leerzeichen liefern, sondern mein Interesse an ihren AusprÃ¤gungen und Vorkommnissen in Alltag und Kunst erlÃ¤utern. Es handelt sich hier nicht um einen kontinuierlich verfassten Text, als vielmehr um eine Sammlung von FundstÃ¼cken, Beobachtungen und Mitschriften, die in den letzten Jahren gewachsen ist. Die Arbeit besteht aus drei Teilen.  
Der erste Teil, das Handbuch der exklusiven Leerzeichen versammelt willkÃ¼rlich Beobachtungen, Notizen, Bilder, Dokumente und Arbeiten, die Leerstellen aufweisen: so zum Beispiel der gerichtliche Beschluss meiner annullierten Ehe, die ZahnlÃ¼cke, das seit Ã¼ber zwanzig Jahren brennende Loch in der turkmenischen WÃ¼ste oder der Blick ins Narrenkastel (to stare into space) - immer wieder tauchen Risse, LÃ¶cher und LÃ¼cken auf. Der zweite Teil dieser Arbeit widmet sich den exklusiven Leerzeichen in gendersensibler Sprache: FÃ¼r diesen Anlass wurde Adolf Hitlers âMein Kampfâ in gendergerechte und faire Sprache Ã¼bersetzt, jedes einzelne Leerzeichen bei Worten mit geschlechtsspezifischer Konnotation eingefÃ¼gt. In diesem Zusammenhang entstand auch eine Videodokumentation: Am Ã¶sterreichischen Nationalfeiertag, 26. Oktober 2021 las ich auf am Wiener Heldenplatz auf einer Parkbank den ersten Band (Dauer: 17h), am 9. November 2021 sprach ich in meiner Lesung des zweiten Bandes (Dauer: 3,5h) die gegenderten Worte laut im MÃ¼nchner HofbrÃ¤uhaus aus. Der dritte Teil hat schlieÃlich die plastische, rÃ¤umliche Auseinandersetzung mit Leerzeichen und Zeichen der Leere im Blick: Die Installation Zentralspalt, verwandelt den Zwischenraum in meiner Wiener Wohnung in ein Epizentrum der (reziproken) Leerzeichen. Im Sinne Louis Althussers Ãberlegungen zu Leerzeichen - âDie flÃ¼chtige Anwesenheit wird zur unauffindbaren Abwesenheit.â â werden Objekte, Dokumente und Videos aus dem Handbuch der exklusiven Leerzeichen sowie die Aufzeichnungen der Lesungen von âMein Kampf in gendergerechter und fairer Spracheâ der Ãffentlichkeit prÃ¤sentiert. 
Zu dieser Arbeit haben mich maÃgeblich zwei Erlebnisse inspiriert: ein mir immer wiederkehrender Traum (man kÃ¶nnte auch sagen eine TrÃ¤umerei von einem Traum) und eine Anekdote aus der Kindheit meines Bruders. Der Traum: Ich frage mich, ob ich vergessen hatte, Kaninchen zu fÃ¼ttern. Kaninchen, die ich nicht sehen kann, da sie sich, wie es scheint, hinter einer verschlossenen Wand aufhalten. Die Sorge, die weggesperrten, nicht sichtbaren Kaninchen wÃ¼rden von mir vernachlÃ¤ssigt, ist nach wie vor groÃ. 
Neben dem Kaninchentraum hat mich die ErzÃ¤hlung meines Bruders zum Nachdenken Ã¼ber Leerzeichen bewogen: Ein Volksschulkollege meines Bruders schnitt sich die Karos aus seinem Karo-Pullover. MÃ¶glicherweise, um die Leerzeichen der Zeit zu erkennen. 


Abstract (Englisch)

"The only excuse for God is that he does not exist"(Stendhal). 
In order to come closer to a thing, a phenomenon, to describe it as precisely as possible, it is quite often helpful to define what it - in our case the blank space - is not: Unlike signs, blanks or blank spaces have a grip on their own reality. They are empty. Empty in the sense of "kenos" (Greek), which enables the difference between being and not being. Blanks are readily passed over and seen as inclusive in any calls and invitations to apply in science and art. "Abstract such-and-such number of characters including blanks." No fish in a birdcage. Characters matter: "No blanks in filenames, please." The blank space contains no information, seems to serve only as a placeholder. Spaces create and interrupt expected order. They interrupt texts, streets, rows of seats, candy boxes, thoughts; they break open holes, provoke breathing, create distance, at the same time tranquillise and confuse. Blank spaces understood as fixed points which do not only focus on order but also create an organized universe in a chaos, they carry and connect information, social and political issues. Both blanks and signs exist because they act alternately: the sign projects into the blank, the blank takes away the sign's sovereignty - similarly to Carl Hegemann's essay "GlÃ¼cklich im UnglÃ¼ck" ("Happy in Misfortune"), happiness project into unhappiness (and vice versa). The blank reminds us of the nothing, of our finiteness: looking into the hole, into the abyss, our own end in front of our eyes, it inspires to reflect on "what it is worth living for". (âWofÃ¼r es sich zu leben lohntâ, Robert Pfaller) 
This paper is not intended to deliver a scientific treatise on blank spaces, but to illustrate my interest in their expressions and incidences. It is not a continuously written text, but a compilation of artefacts, reflections and notes that have been taken over the last years. The work has three parts.  
The first part, the Handbook of Exclusive Blank Spaces, assembles arbitrary observations, notes, images, documents and artworks that feature blank spaces: for example, the court order of my annulled marriage, the arrangement of the two fingers between Adam and God the Father in Michelangelo's fresco in the Sistine Chapel, the gap between teeth, the hole in the Turkmen desert that has been burning for over twenty years, or to stare into space - holes, gaps, cracks and yawns appear again and again.  
The second part of this work is dedicated to exclusive blank spaces in gender-sensitive language: for this occasion, Adolf Hitler's "Mein Kampf" was translated into gender-sensitive and fair (german) language, every single blank inserted in words with gender-specific connotations. In this context, a video documentation was also produced: on the Austrian National Day, on 26 October 2021, I was reading the complete first volume (17 hours) on a public bench at Vienna's Heldenplatz; on 9 November 2021, in my public reading (3,5 hours) of the second volume, I spoke the gendered words loudly in Munich's HofbrÃ¤uhaus. 
Finally, the third part focuses on the sculptural, spatial examination of blanks and signs of emptiness: The installation Zentralspalt, which transforms an interstitial space in a flat in Vienna into an epicentre of (reciprocal) blanks: Objects and documents from the Handbook of Exclusive Blank Spaces as well as video documentations of my performances, including the documentation of two readings of "Mein Kampf in gendergerechte und fairer Sprache" (1st and 2nd volume). "The fleeting presence becomes an untraceable absence." (Louis Althusser) 
Two experiences were the main inspiration for this work: a recurring dream (one could also say a reverie of a dream) and an anecdote from my brother's childhood. The dream: I wondered if I had forgotten to feed rabbits. Rabbits that I can't see because, it seems, they are behind a locked wall. The worry that the locked away, invisible rabbits would be neglected by me is still strong. 
Besides this rabbit dream, my brother's story got me thinking about blanks: one day, an elementary school classmate of my brother's cut the checks out of his check jumper. 
Possibly in order to recognise the blanks of the time.</ns1:description>
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